Niedriger Ölpreis

Wann wird Fliegen billiger?

Angesichts der Rohölpreise sollten die Kerosinzuschläge sinken, aber die Airlines weisen sie gar nicht mehr aus. Reiner Zufall?

Tief, tiefer, am tiefsten: Nach einem kurzen Zwischenhoch ging es für den Ölpreis erstmal wieder nach unten. Mitte März lag der Ölpreis für ein Barrel der Sorte Brentöl bei US$ 55. Analysten rechnen damit, dass der Preis im Sommer noch einmal Richtung US$ 40 fällt, bevor er langsam wieder anzieht. Innerhalb eines Dreivierteljahres sind die Rohölpreise um beinahe 60 Prozent gesunken. Autofahrer profitieren von diesem Preissturz, Hausbesitzer, die mit Öl heizen, ebenfalls. Nur Reisende warten bis dato vergeblich auf deutlich niedrigere Flugtarife.

Um das Jahr 2000 wurde angesichts rasant steigender Ölpreise der Kersoinzuschlag eingeführt. Damit ließen sich höhere Flugpreise durchsetzen, und schuld daran waren nicht die Airlines, sondern die hohen Treibstoffkosten. Umgekehrt wurden die Kunden im Glauben gelassen, dass die Kerosinzuschläge auch wieder fallen könnten. Das war jedoch bedeutend seltener der Fall. »Die Kerosinzuschläge«, bilanziert Otmar Lell, Verkehrsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentrale, »sind eine reine Marketingmaßnahme «. Nun sinkt der Ölpreis wieder –und was passiert? In der Wintersaison 2011/12 schaffte Condor den Spritaufschlag als solchen wieder ab. »Kunden schauen auf den Gesamtpreis, und der muss wettbewerbsfähig sein«, erklärt Condor-Sprecher Johannes Winter diesen Schritt. Lufthansa ging vor einem Jahr dazu über, den Zuschlag diskret in der Rubrik »internationaler/nationaler Zuschlag« unterzubringen.

Mit der Forderung, die Ölpreisvorteile zügig an die Kunden weiterzugeben, stößt der Verbraucherverband auf wenig Verständnis in der Flugbranche. Die Airlines führen den starken USDollar ins Feld. Kerosin wird schließlich in Dollar gehandelt, und der Euro ist seit Monaten schwach. Zum anderen haben sie langfristige Preissicherungsgeschäfte getätigt, um sich bis zu einem Jahr im Voraus stabilere Preise zu sichern. Der gesunkene Ölpreis schlägt sich daher nur mit zeitlichem Verzug auf die effektiven Treibstoffkosten nieder. Doch für das Jahr 2015 rechnet der internationale Airline-Dachverband IATA bereits mit zehn Milliarden Euro geringeren Kerosinkosten. Auch die Lufthansa prognostiziert für das laufende Jahr eine deutlich niedrigere Kerosinrechnung, nämlich 5,8 Milliarden Euro statt 6,7 Milliarden Euro wie im vergangenen Jahr. Noch sträubt sich die Fluggesellschaft, diesen Preisvorteil weiterzugeben und argumentiert, dass die Treibstoffkosten immer noch »deutlich über den Kosten vor fünf Jahren« (2010: 5 Mrd. Euro) liegen würden und die Kundschaft bereits 2014 um im Schnitt 3,6 Prozent weniger pro Ticket ausgegeben habe.

Andere Fluglinien sind schon weiter. Air Berlin schließt niedrigere Tarife aufgrund der fallenden Energiepreise nicht mehr grundsätzlich aus. Allerdings müssen Kunden noch ein bisschen Geduld haben. Air-Berlin-Sprecher Aage Dünhaupt: »Günstigere Kerosinpreise werden uns erst Ende 2015 erreichen.«

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